CD Wasserdicht, Vera Junker

  instruments:  
     
  cello, e-cello: Vera Junker
             flute: Anne Kordes-Pistorius
  piano and percussion:     Jürgen Bröhl
  ocean drum: Simon Lehnert
     
  NIWO-MUSIC 2013  
     

 

              „Wasserdicht“ steht für die Sehnsucht nach einem geschützten Raum, in dem alles fließen kann. Im musikalischen Raum der Cellokompositionen tritt das Instrument als lebendiger Resonanzkörper in Erscheinung und führt uns mit seinen Klängen in eine tiefe innere Welt hinein.

 

Infos zu den einzelnen Werken

 

1 „Wasserdicht“ ist der Titel des ersten Stücks und gleichermaßen das Motto der neuen Solo-CD von Vera Junker.Von ruhigen, puristischen Motiven ausgehend entwickelt sich das Stück bis hin zu raumgreifenden, vielstimmigen Arpeggios, die dem akustischen Cello eine Fülle von Obertonfarben entlocken. Diese tragen den sich einlassenden Hörer in einem immer weiter werdenden Strom davon.

 2 „Phönix“ basiert auf einer polnischen Volksweise, die vom Sterben und Auferstehen eines begnadeten Tänzers erzählt. Ein pulsierender, tänzerischer Rhythmus sowie temperamentvolle Arco- und Pizzicatopassagen wechseln sich ab mit schwelgerisch, sehnsuchtsvollen Melodien. Sie erzeugen ein Gefühl für die Macht des Todes und die Sehnsucht nach Leben. Die Übereinanderschichtung verschiedener Stimmen lässt das Cello zwischen mehreren zeitlichen Ebenen wie im Traum kommunizieren. Am Schluss erinnert der wiederkehrende Puls an die verrinnende Zeit.

3 „Nostalgia“ ist eine Komposition für Violoncello und Querflöte, der eine italienische Volksweise zugrunde liegt. Entsprechend der Textgrundlage - zwei Schwestern stehen am steilen Felsen und träumen von ihren Liebsten - prägen liedhafte Melodien die melancholische Grundstimmung des gesamten Stückes. Darüber hinaus erinnern üppig, virtuos ausgestaltete Kadenzen an italienische Barockkomponisten.

4 „Ärlkönig“  beginnt in mystischer Atmosphäre und versetzt den Hörer mit Hilfe geräuschhafter Effekte in das Bild eines geisterhaften dunklen Waldes. Darauf folgt nach einem kurzen Innehalten ein atemloser Ritt, der das bekannte Motiv des Erlkönigs in moderner Transformation wieder aufleben lässt:Der exzentrische Klang des Loops, die Effekte des E-Cellos sowie die klagende Melodie des akustischen Cellos darüber lassen eine schaurige Stimmung entstehen, deren abruptes Ende den Albtraum wie eine Seifenblase zerplatzen lässt.

5 „L`oiseau bleu“ beschreibt den Flug eines Fantasievogels über das Meer. Auf eine collageartige, atmosphärische Improvisation zu Beginn folgt ein fließender Teil mit einem Loop als bewegtem Untergrund. Darüber entfaltet sich schwebend eine weite Melodie, in der die Sehnsucht nach der Unendlichkeit des Horizontes Gestalt annimmt. Flageoletttöne, Ponticello-Effekte und Obertöne lassen innere Bilder erscheinen von blauer Weite, Luft- und Wasserspiegelungen.

6 „Nachtzug“ ist als Musik zu einem lyrischen Text entstanden: „Wir hofften auf einen Salonwagen, der uns seine Musik - man sah die Rücken tanzen - zurück ließ.“ (aus einem Text von H. Happe mit dem Titel „Salonwagen“)Das Stück ist durchgängig von einem jazzigen Rhythmus geprägt, welcher der melodischen Linie eine gewisse Lässigkeit verleiht. Wie ein Traumbild in der Nacht zieht die tänzerische Melodie, von einsamen Pizzicatoklängen auf die Spur gebracht, am inneren Auge und Ohr des Hörers vorbei, und verschwindet wieder leise im Ungewissen der Dunkelheit.

7 „Lamento“ ist eine Komposition für E-Cello, die sowohl aus improvisierten als auch ausnotierten Teilen besteht. Die Musik ist von einer großen kontemplativen Ruhe und spielt mit dem Zeitempfinden des Hörers: Ein langer Atem durch den Cellobogen, immer wiederkehrende Verzögerungen und Wiederholungsschleifen erzeugen eine zeitlose, meditative Stimmung. „Zauberhafte“ Klänge des klanglich verfremdeten Pianos ergänzen das Hörerlebnis.

8 „Canto“ steht für den tiefen Gesang eines Volkes, dessen Heimat am Fuße eines Vulkanes direkt über dem Meer gelegen ist. Thema des Stückes ist der Schmerz und Überlebenswille der Menschen, auch ihre Liebe zum Meer, die sich in der Cellomelodie wiederfindet. Diese wird musikalisch eingebettet in den Vielklang des Meeres, den Gesang der Wale, dargestellt durch Flageolett- und Obertöne auf den untersten Saiten des Cellos. Arpeggios aus Flageoletttönen lassen das Wasser und einzelne Tropfen spürbar werden. Verstärkt wird das Klangbild auch von der ocean drum, welche Meereswellen suggeriert. Für dieses Stück wird das akustische Cello einen halben Ton nach unten gestimmt, so dass eine Grundstimmung von h-moll entsteht. Dies erzeugt ein Gefühl von Tiefe und verändert die Obertonreihen.

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