Musikalische Arbeit

 

1 Vom Improvisieren und Komponieren

2 Instrumente

3 Arbeitsfelder und Einsatzmöglichkeiten / Info für Veranstalter

 

 

1 Vom Improvisieren und Komponieren oder: Ein Stern im Universum

 

nicht ausdenken sondern hören
nicht erfinden sondern enträtseln
einen Weg einschlagen, auf dem man noch nie war

(Alfred Schnittke)   

 

Motivation und Ziel: Die Suche nach der eigenen Stimme

Der Gedanke des Komponisten Alfred Schnittke beschreibt für mich am besten, wie sich schöpferische Arbeit mit Musik gestaltet. Ich stamme aus einer Musikerfamilie. Von dort kommt meine Verwurzelung in der klassischen Musik. Nach meinem Musikstudium breche ich auf, um von diesen Wurzeln aus neue musikalische Welten zu entdecken. Das beginnt mit dem freien Improvisieren und methodisch voraussetzungslosen Erfahren und Erforschen des Klangkörpers Cello. Leitsatz: Nichts ist falsch. Es geht darum, ein Ohr nach innen zu entwickeln. Dabei lasse ich mich von folgenden Fragen leiten:

  • Welche musikalischen Gestalten kommen aus mir selbst intuitiv hervor?
  • In welchem Zusammenhang stehen sie mit dem Eigensten meiner Person?
  • Welche unentdeckten Klänge schlummern in meinem Instrument?

Als Cellistin in Ensembles verschiedener Richtungen – Klassik, Jazz, Pop, Unterhaltungsmusik – gewinne ich mit der Zeit einen immer ausgedehnteren musikalischen Erfahrungshintergrund und kann mehr und mehr meine eigenen Ideen einbringen und ausformen. Und ich mache die beglückende Erfahrung, dass Menschen sich von diesen Einfällen musikalischer Phantasie gerne bewegen lassen (s. Biografie; Soloimprovisationen).

 

Enträtseln

Ich schreibe die Motive, Phrasen und Rhythmen auf, die mir am besten gefallen, besonders auch solche, die in meinem Bewusstsein von selbst wiederkehren. Manches ist in der Form von vornherein fertig, anderes bedarf der Entwicklung und Ausarbeitung. In diesem Prozess ist die kompositorische Arbeit nur mit dem Cello allein von großer Bedeutung: Um die eigene Stimme zu enträtseln, muss ich mich eine zeitlang ganz auf sie konzentrieren und an den Grenzen arbeiten. Man könnte es sich auch so vorstellen, als wäre man ein Stern in der Milchstraße:  Die Vielfalt in der Musik ist schier unendlich, da ist es gut, den inneren Faden zu halten und zu führen. Es ist immer wieder der Versuch, sich selbst achtsam zuzuhören. Anlass hierfür kann auch ein Lesungstext oder ein Gemälde sein (s. Biografie; Arbeit für die Gedok, Stückinfo Wasserdicht „Canto“)

Auch lasse ich mich gern von Volksliedern und den Geschichten, die sie erzählen, inspirieren: Sie weisen einen schlichten umwegslosen Weg ins Innere - „Seelenlieder“. Mit ihrer Einfachheit und Klarheit laden sie mich ein, sie auf meine Weise zu kommentieren, weiterzuentwickeln, sie in den gegenwärtigen klanglichen  Erfahrungsraum zu heben (CD Wasserdicht;  „Nostalgia“, „Phönix“, CD „Sprengisandi“).
Elemente aus Klassik, Folk und Jazz verknüpfen sich zu einem Stil, der sich einer festgelegten Zuordnung irgendwie entziehen will.

 Cello: Schnecke


2 Instrumente oder : Zwei Freunde wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten

Ich arbeite mit zwei verschiedenen Instrumenten, dem akustischen Cello – ein holländisches Instrument von Johannes Cuypers vom Jahr 1793 – und dem elektronischen Cello, Geburtsdatum unbekannt, vielleicht ca. 1990.
Das alte Instrument steht für die traditionellen Wurzeln. Der warme, obertonreiche Klang geht tief und berührt mit seiner Farbigkeit und Lebendigkeit. Es ist auch die Geschichte des Instrumentes, die sich mir beim Spielen zuweilen mitteilt und die auch Zuhörer intuitiv wahrnehmen. Wer hat vor meiner Zeit schon darauf gespielt? Und auf welche Weise?

Das elektronische Cello dagegen besticht mit seinem direkten unmittelbaren Sound, der eine große Präsenz besitzt. Spezielle Spieltechniken wie Pizzicato (gezupfte Töne) oder Ponticello (mit dem Bogen am Steg streichen) bekommen hier eine atemberaubende Dichte (CD Wasserdicht; „Lamento“). Die Arbeit mit dem E-Cello bietet zudem wunderbare Möglichkeiten, das Klangspektrum des vorzugsweise klassisch assoziierten Instrumentes zu erweitern und es durch moderne Klangfarben in neue Hörumgebungen zu versetzen. Dies kann beispielsweise durch den Einsatz von Loops (Wiederholungsschleifen) und Delays (Klangverfremdungen) geschehen. Spannend ist auch die Kombination der beiden Instrumente. Sie in einen Dialog treten zu lassen birgt ganz eigene, nie gekannte klangliche Erfahrungsmöglichkeiten (CD Wasserdicht; „L`oiseau bleu“).

 

 

 E-Cello: Detail

 3 Arbeitsfelder und Einsatzmöglichkeiten / Info für Veranstalter

Viele Kompositionen der Solo-CD „Wasserdicht“ sind zu konkreten Anlässen entstanden. Sie bieten eine festliche konzentrierte Atmosphäre für Ausstellungseröffnungen, dienen als textvertiefende musikalische Atempausen bei Lesungen und eignen sich durch ihren z.T. meditativen Charakter auch als stimmungsvolle Musik zu Situationen, in denen Sammlung und Stille gewünscht sind.

Als Solo-Konzertprogramm ist die Darbietung unterhaltend und konzentriert zugleich: Moderationen und Informationen zu den Stücken, zu Kompositionsweisen und Instrumentarium schärfen und unterstützen die Wahrnehmung der Zuhörer und lassen das Konzert zu einer sehr persönlichen musikalischen Erfahrung werden. Anklänge an Klassik, Jazz und Moderne bieten kontrastreiche Abwechslung, und es eröffnen sich neue Zugänge zur zeitgenössischen Musik. 

Einige Stücke sind auch als Filmmusik vorstellbar. Sie lassen bildhafte Assoziationen z.B. von Landschaften entstehen, sind emotional und mitreißend (CD Millbrook Duo; „Sprengisandi“ , CD „Wasserdicht“;  „Ärlkönig“, „L`oiseau bleu“, „Lamento“, „Nostalgia“).